Traum vom Brot

Traum vom Brot

Ich mache, wie Sie sicherlich wissen, im ganz überwiegenden Teil meiner Tage Hochzeitsfotos. Das heißt, zwei, drei Mal die Woche bin ich auf großen Hochzeitsfeiern. Das ist schön, und das ist auch anstrengend, aber das ist eine andere Geschichte - was es aber auch ist, und um das zu begreifen, brauchte ich eine Weile: es ist eine kulinarische Herausforderung. Eine Kriegserklärung an das eigene Bewusstsein für schönes Essen. Es ist, soweit würde ich mittlerweile sogar gehen, eine Tortur. 

 

Man muss dazu Folgendes wissen: Ich gehe gerne gut essen. Ich mag hochwertige, feinsinnige, dementsprechend durchaus teure Küche. Ich habe, seit ich ganz gut verdiene, einen nicht geringen Teil dieses Verdienstes fürs Essengehen auf den Kopf gehauen. In ein schickes Restaurant zu gehen, am Besten gleich mehrere Gänge durchzuprobieren, stundenlang zu sitzen, passende Weinbegleitung, bien sur!, all das macht mir eine enorme Freude. Blixa Bargeld, Sänger der von mir sehr verehrten Band Einstürzende Neubauten, schrieb einmal sogar ein ganzes Buch darüber - über seine Restaurantbesuche während der Musiktournee. Ein bisschen neidisch war ich stets auf ihn, den Musiker, den Genießer. Und jetzt?

 

Jetzt bin ich müde. Ich habe eine Art kulinarische Depression. ICH KANN ES ALLES NICHT MEHR SEHEN! Zwei, drei Mal die Woche ein Festmenü. So Hochzeitsessen sind nämlich nicht ohne. Es wird aufgefahren. Vier, fünf Gänge. BBQ-Buffets. Event-Cooking. You name it. Es macht mich fertig. Es hängt mir zum Hals heraus. All der Überfluss, der Luxus. Es begann vor einigen Wochen und wurde dann mit jeder Hochzeit schlimmer - mittlerweile ist es so: das Essen kommt, ich gehe. Ich setze mich irgendwo nach draußen, nehme mir zum Beispiel die Eheringe und den Brautstrauß mit, mache Detailfotos davon. Oder sitze und rauche eine Zigarette (eigentlich rauche ich ja nicht, das ist natürlich klar. Ist auch ungesund.). 

 

Letzte Nacht habe ich geträumt. Ein heißer, schöner Traum. Es ging um ein rustikales Holzbrett, auf dem ein Laib frisches Brot lag. Ich schnitt mir eine fingerdicke Scheibe ab, bestrich sie fast ebenso dick mit Butter, ließ zwei Fingerspitzen Meersalz darauf rieseln und biss hinein. 

 

Sonst nichts. Es war der schönste Traum seit langem. 

 

AH

 

*Hinweis: bei der Buch-Verlinkung handelt es sich ganz bewusst um eine Verlinkung direkt zum Verlag, keinen Amazon-Link o.ä. Es ist kein Affiliate-Link, ich bekomme nichts dafür, das Buch hier zu erwähnen. Es ist einfach ein tolles Buch. That's all.