5 Fragen, die man sich VOR einem Fotoshooting stellen sollte

"Proper preparation prevents piss poor performance." - unknown

Die wenigsten guten Fotos sind Schnappschüsse - selbst, was zufällig wirkt, beeindruckende Streetfotos zum Beispiel, ist in der Regel das Ergebnis ausführlicher Überlegungen und guten Timings. Diese Fotos dann später leicht und spontan wirken zu lassen, ist natürlich die große Kunst dabei. 

Die Planung eines erfolgreichen Fotoshootings mache ich mir mit nur fünf einfachen Fragen leichter - Wie das geht, und wie ihr diese fünf Fragen für alle Fotoprojekte nutzen könnt, erkläre ich jetzt.

 

Eure Anne


"Schickes Bild - aber was willst Du mir jetzt damit sagen?", denke ich nicht selten, wenn ich das zigste Bild einer schönen Frau, die irgendwo nett in der Gegend herumsteht, im Portfolio eines Kollegen sehe, oder einen Herren im Anzug, der offensichtlich zu irgend einem Businesszweck Fotos anfertigen ließ, mich aber einfach nur aus treuen Hundeaugen von seinem Businessfoto aus ansieht - Möchte er mir etwas verkaufen? Möchte er Kompetenz ausdrücken? Wenn ja, wofür? Das Bild verrät nichts - und hat somit seinen Zweck, nämlich eine irgendwie sinnvolle und nutzbare Reaktion beim Betrachter auszulösen, verfehlt. Es reicht eben nicht, einen hübschen Menschen irgendwo hinzustellen und ein Foto zu machen. Bei der Flut an genau solchem Bildmaterial, mit der uns das Internet konfrontiert, gehen belanglose Fotos einfach unter. Sie werden keinen "Aha"-Effekt auslösen oder jemanden dazu motivieren, den Fotografen oder die Fotografin zu buchen. Der erste und dringlichste Schritt, bevor man Arbeit und Nerven und Zeit in ein Fotoshooting investiert, sollte deshalb die Beantwortung folgender Frage sein: Zu welchem Zweck macht man die Fotos? Welchen Sinn haben sie, welche Reaktion sollen sie auslösen, wozu werden sie später verwendet? Vereinfacht gesagt: Wozu stelle ich die hübsche Frau irgendwo hin und fotografiere sie? Möchte ich damit Kundinnen (oder Kunden) anlocken? Wenn ja, welche Art von Kunden? Möchte ich zeigen, was ich als Fotografin drauf habe? Wenn ja - für welchen Fotobereich denn? Portraits? Mode? Oder möchte ich die Aufnahmen später vielleicht als Stockfotos verkaufen? Dann sollte die hübsche Frau nicht nur herumstehen, sondern auf den Bildern auch etwas machen. Die Frage nach dem Zweck und der späteren Verwendung gilt für alle Arten von Fotos - hat man sie vorab nicht klar beantwortet, fotografiert man planlos ins Blaue und verschenkt großflächig das Potential eines Fotoshootings.

Hat man für sich geklärt, mit welchem Ziel und für welchen Zweck man Fotos erstellen will, fällt es auf einmal auch viel leichter, darüber nachzudenken, mit welchen Fotomotiven man diesen Zweck bestmöglich transportiert. Welche Motive würde man beispielsweise sehen wollen, wenn man für einen Auftrag eine Führungskraft porträtieren soll? Also, was würde man WIRKLICH sehen wollen - nicht, was fotografiert jeder einfallslose Businessfotograf. Welche Posen, welche Bildsprache drückt Kompetenz aus? Womit kann man sich in diesem Bereich abheben? Der Zweck bestimmt beispielsweise auch, in welchen Bildformaten man bevorzugt fotografieren sollte. Habe ich den Auftrag, eine Kampagne zur überwiegenden Verwendung auf Instagram zu shooten, weiß ich zum Beispiel, dass mein Bildmotiv klar erkennbar sein und auch bei kleiner Abbildung noch wirken muss. Außerdem sollte es zentral gesetzt sein, um der quadratischen Darstellung im Profil Rechnung zu tragen. Ich sollte außerdem einige Hochformate schießen, die später in Instagram-Stories eingesetzt werden können. Ist der Zweck des Fotoshootings hingegen, mein eigenes Portfolio in einem bestimmten Bereich zu erweitern, würde ich schauen, welche beeindruckenden Portfolios anderer Fotografinnen und Fotografen in diesem Bereich mir einfallen, und ich würde planen, meine Motive an der Qualität und Anmutung dieser erfolgreichen Kollegen auszurichten. In jedem Falle empfehle ich für ein gelungenes Fotoshooting, nicht darauf zu vertrauen, dass sich Bildmotive "schon irgendwie ergeben" werden, sondern die wichtigsten Motive vorab zu planen und aufzuschreiben. Jeder Film hat ein Drehbuch, damit er am Ende funktioniert - bei einem guten Fotoshooting ist es nicht anders.

Zu betonen, dass der Ort, an dem man ein Fotoshooting macht, gut gewählt sein will, klingt erst einmal völlig überflüssig - das weiß doch jeder!, werdet ihr sagen. Die Wahrheit ist allerdings, dass ich bei vielen Coaching-Teilnehmern und in den Portfolios vieler lieber Kolleginnen und Kollegen verschenkte Möglichkeiten für perfekte Fotohintergründe, oder tatsächlich ungünstige bis völlig unpassend ausgesuchte Bildhintergründe sehe. Die Umgebung für ein Fotomotiv, die also den Bildhintergrund für ein Foto oder den Rahmen für eine Fotostory bildet, kann in zwei Richtungen gehen: Sie kann das Bildmotiv unterstreichen, indem sie zum Thema passt. Oder sie kann das Fotothema konterkarieren, also völlig entgegengesetzt zum erwartbaren Bildhintergrund sein, und das Foto somit spannender und weniger gefällig machen. Was der Bildhintergrund jedenfalls möglichst nicht sein sollte: Beliebig oder, noch schlimmer: unbedacht. Es macht einen Unterschied, ob ihr Portraits vor einer wild gemusterten Wand oder einer glatten Wand macht, ebenso verändert es die Bildwirkung und die Möglichkeiten komplett, ob ihr für romantische Fotos einen Park, eine belebte Straße oder die Wohnung eurer Kunden zur Location bestimmt. Denkt an Frage 1, an den Zweck eurer Bilder. Dann an Frage 2, welche Motive wollt ihr zu diesem Zweck umsetzen. Und dann überlegt: Welche Umgebung, welche Hintergründe braucht ihr, um Zweck und Motive bestmöglich zu treffen.

Sobald ihr entschieden habt, wo ihr eure Fotos machen möchtet, solltet ihr euch mit der wichtigen Frage nach dem Wann der Aufnahmen beschäftigen. Sollen die Fotos mit Kunstlicht im Fotostudio entstehen, richtet sich das Timing selbstverständlich vor allem danach, wann ihr und ggf. eure Kundinnen oder Kunden ausgeschlafen genug für Fotos seid. Sobald die Bilder jedoch außerhalb eines Studios (oder in einem Tageslichtstudio) entstehen sollen, wird Timing essentiell. Denn: Die Sonne wandert, Licht verändert sich, und zwar an jedem Ort anders. Und unterschiedliches Licht ergibt unterschiedliche Bilder, ist ja klar. Abendlicht und Sonnenuntergänge, beziehungsweise Sonnenaufgänge und Morgensonne, sind für Fotos total beliebt - ganze Instagram-Profile funktionieren ausschließlich mit solchen Aufnahmen. Tief stehendes Licht bietet zudem mehr Möglichkeiten, mit Gegenlicht und Blendeneffekten zu spielen, als pralle, hoch stehende Mittagssonne. Diese sorgt stattdessen für hartes Licht, was je nach Motiv ebenso reizvoll sein kann. Man kann die Zeiten für Sonnenauf- und Sonnenuntergänge übrigens problemlos für jeden Ort und jedes Datum in der Google-Suchleiste eingeben und erfahren, für eine entspannte Planung. Bitte denkt aber daran, dass hohe Gebäude oder Bäume eurem Licht ebenso den Gar ausmachen können, wie die ungünstige geografische Ausrichtung eurer Location. Oder Wolken. Was dagegen hilft (also, gegen alles außer die Wolken)? Vor dem Fotoshooting zu den geplanten Zeiten einmal vorbeischauen und die Lichtlage checken. So oder so: Ein gut gewähltes Timing und damit dann möglichst perfektes Licht ist ein wichtiger Baustein für richtig gute Fotos. Richtet euch danach, und scheut euch auch nicht, ggf. Kundinnen und Kunden auf diese Thematik hinzuweisen. Kämpft notfalls um möglichst ideale Zeiten und Termine für eure gewünschte Aufnahmen.

 

Habt ihr euch über Zweck, Bildmotive, Ort und Timing Gedanken gemacht, könnt ihr plötzlich auch das Equipment, das ihr für eure Fotos benötigen werdet, ziemlich genau eingrenzen - wer hätte gedacht, was mit ein bisschen Planung alles möglich ist! Überlegt euch, mit welchen Objektiven ihr die geplanten Fotomotive am besten umsetzen könnt, und natürlich auch, was ihr an zusätzlichen Spielereien ggf. benötigt. Müsst ihr mit einem Reflektor oder gar einem Blitz und Softboxen aufhellen? Wenn ja, gibt es Strom vor Ort oder braucht ihr mobile Packs? Wie viele Blitze werden in der ausgesuchten Location Platz haben und sinnvoll sein? Anstatt blind alles mitzuschleppen, finde ich es für den Shootingtag viel entspannter, wenn man sich bereits auf konkretes Equipment festgelegt hat und gut vorbereitet ist. Zusätzlichen Kram kann man dann immer noch mitschleppen, aber zu wissen, womit man hauptsächlich arbeiten wird, schafft mehr Ruhe im Kopf - und dann auch vor Ort.

Wenn ihr alle 5 Fragen für die Planung des Fotoshootings für euch selbst als Fotograf*in beantwortet habt, dann kommt die Bonusfrage: Welche dieser Infos helfen auch den anderen Beteiligten eures Fotoshootings weiter? Spoiler: Meistens nahezu alle. Protagonistinnen und Protagonisten vor der Kamera, seien es Kunden, seien es Models, können sich auf das Shooting viel besser vorbereiten, wenn sie genau wissen, zu welchem Zweck, an welchem Ort, zu welcher Zeit ihr welche Fotomotive mit ihnen aufnehmen möchtet. Und ja, selbst Infos zum Equipment, das ihr verwenden möchtet, helfen anderen weiter. Für viele ist es nämlich ein Unterschied, ob sie bei Tageslicht oder mit anstrengendem Blitzlicht fotografiert werden. Ob sie eng im Portrait oder Ganzkörper im Weitwinkel zu sehen sind und somit auch ganz anders posieren müssen. Dass eventuelle Assistenten, Locationscouts und andere Helfer alle oben genannten Infos ebenfalls haben sollten, muss ich jetzt wohl kaum noch erwähnen. Muckelt und plant nicht nur alleine vor euch hin - bezieht alle anderen auch in die 5 grundlegenden Fragen zu eurem Fotoshooting mit ein, damit sie sich vorbereiten können. Ihr werdet sehen: Umso besser werden die Ergebnisse. 

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ANNE HUFNAGL - Freie Fotografin
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