Redaktionsschiff Pioneer One - Verliebt in Möglichkeiten

Manchmal braucht es in dunklen Zeiten eine kleine Erleuchtung, um zurückzufinden zu kreativer Stärke, Inspiration und Ideen. Meine Erleuchtung im Pandemie-Jahr 2020 heißt "Pioneer One"

 

Als mir mein lieber Freund Gordon Repinski Anfang 2020 erzählte, dass er den Job wechseln und Teil einer neuen Redaktion werden würde, die nicht in einem der üblichen Berliner Bürohäuser sitzt, sondern von einem eigens für sie gebauten Redaktionsschiff aus operiert, das noch dazu währenddessen tagein, tagaus fröhlich die Spree auf und ab fahren würde, hielt ich das Ganze ehrlich gesagt für einen illustren Marketing-Gag. Die Idee, neue Formate in einer eben nicht alltäglichen Umgebung zu entwickeln, klang natürlich prima - aber auf einem Schiff? In Berlin? Also bitte.

 

Noch aberwitziger als diese Schiffsidee war kurz darauf dann allerdings: Corona. Die Pandemie fegte binnen weniger Tage meinen Eventfoto-Kalender für viele Monate leer und, noch wesentlich gravierender: Sie warf mich in eine tiefe Sinnkrise, was meine Arbeit als Fotografin betraf. War das jetzt schon alles? Was kommt denn noch? Was will ich eigentlich? Schon erstaunlich, was so ein paar Wochen Ausnahmezustand mit dem Kopf anstellen können.

 

Mitten in diese Krise hinein erreichte mich irgendwann Gordons Nachricht: "Das Schiff ist da, komm doch mal rum! Ist schön hier."

 

Und so stand ich kurz darauf etwas verloren mit meiner Kamera im wuseligen Betrieb eines soeben gestarteten neuen Schiffes, zwischen lauter Leuten, die Dinge taten, jemand bot mir einen Kaffee an, ich setzte mich an einen freien Schreibtisch, die Berliner Innenstadt schob sich sonnig an den pink durchsetzten Schiffsfenstern vorbei - und es war wirklich schön. 

 

Dieser Antrittsbesuch auf dem Redaktionsschiff "Pioneer One" ist gerade einmal drei Wochen her, und seitdem fließen die Ideen durch mich durch und um mich herum. Ich bin so oft auf dem Schiff, wie ich nur kann. Und das Beste? Man lässt mich einfach machen. Ich bin kein offizieller Teil der Crew, bin nicht auf dem Schiff angestellt. Aber ich kann fotografieren, mich austoben. Ich komme und gehe, wie es mir eben passt, habe immer einen Platz zum arbeiten, und alle freuen sich über meine Fotos und unterstützen jede Idee. Niemand verbietet mir etwas oder redet mir in meine Fotografie hinein. Komplette künstlerische Freiheit.

 

Wohin das alles führen wird? Ganz ehrlich: Keine Ahnung! Schon jetzt führt es jedenfalls zu einer Menge neuer Fotos und Projekte, zu neuer Inspiration und zu viel Freude. Dafür bin ich sehr dankbar, besonders in diesen Zeiten. Und ich möchte bleiben, auf diesem Schiff und bei dieser Crew. Ich bin verliebt in all ihre Möglichkeiten.


Redaktionsschiff Pioneer One in Berlin / Fotografin: Anne Hufnagl / www.annehufnagl.com

ANNE HUFNAGL - Freie Fotografin
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